Kunst, Antiquitäten und Spiegel sicher transportieren
Bilder, Spiegel, Glasplatten, Skulpturen und alte Möbel folgen anderen Regeln als der übrige Hausrat. Sie sind nicht unbedingt schwer, aber sie verzeihen keinen Fehler: Ein Spiegel bricht bei Druck auf die Fläche, ein Gemälde nimmt bei Berührung der Leinwand dauerhaft Schaden, furniertes Holz reagiert auf Klebeband. Der Umgang mit diesen Stücken ist deshalb Fachsache, und er beginnt lange vor dem Umzugstag.
Die Grundregeln: stehend, einzeln, materialgerecht
Flache Stücke wie Bilder, Spiegel und Glasplatten werden stehend transportiert, nie liegend und nie gestapelt. Liegend wirkt das Eigengewicht auf die Fläche, und bei Erschütterung bricht Glas genau dort. Stehend wird die Last über die Kante abgetragen, und die hält. Dafür gibt es schmale, hohe Behälter, die das Stück aufrecht fixieren.
Einzeln heißt: Jedes Stück bekommt seine eigene Verpackung, mit Zwischenlagen, die verhindern, dass Rahmen aneinander scheuern. Zwei Bilder Rücken an Rücken in einer Decke sind keine Verpackung, sondern zwei Bilder, die sich gegenseitig beschädigen.
- Gemälde: keine Folie direkt auf die Malschicht, Abstandhalter am Rahmen, Ecken schützen
- Spiegel und Glas: Fläche polstern, Kanten separat schützen, aufrecht fixieren
- Skulpturen: Schwerpunkt beachten, vorstehende Teile einzeln polstern, formschlüssig betten
- furnierte und lackierte Antiquitäten: kein Klebeband auf die Oberfläche, atmungsfähige Materialien
- Uhren und mechanische Stücke: Pendel und bewegliche Teile arretieren oder entnehmen
Der Punkt mit dem Klebeband wird regelmäßig unterschätzt. Auf alten Lacken, Politur und Furnier kann Klebeband beim Abziehen die Oberfläche mitnehmen. Wickeln statt kleben ist die Regel, und geklebt wird nur auf der Verpackung, nie auf dem Stück.
Zustand dokumentieren, bevor jemand anfasst
Bei wertvollen oder alten Stücken ist die Dokumentation vor dem Umzug die wichtigste Vorbereitung. Fotografieren Sie jedes Stück von allen Seiten, in gutem Licht, mit Detailaufnahmen vorhandener Gebrauchsspuren. Damit ist später klar, was vorher schon da war und was nicht. Ohne diese Aufnahmen wird jede Diskussion über einen Schaden zu einer Diskussion über Erinnerungen.
Bewahren Sie außerdem vorhandene Unterlagen zu den Stücken zusammen auf, aber transportieren Sie sie getrennt vom Stück selbst, am besten persönlich.
Was im Angebot stehen muss
Empfindliches Gut braucht eine ausdrückliche Erwähnung. Benennen Sie beim Aufmaß, welche Stücke besonders behandelt werden sollen, und lassen Sie sich schriftlich geben, wer sie verpackt. Das ist der entscheidende Punkt: Selbst verpackte Stücke und fremd verpackte Stücke werden im Schadensfall unterschiedlich betrachtet. Wer bei besonders wertvollen Dingen auf Nummer sicher gehen will, lässt verpacken.
Klären Sie im selben Zug, wie der Versicherungsschutz für solche Stücke aussieht und ob für einzelne Positionen eine gesonderte Absicherung sinnvoll ist. Die Auskunft dazu gehört zur Beratung, und ein seriöser Betrieb gibt sie von sich aus.
Am Zielort
Auspacken Sie empfindliche Stücke nicht im Durchgang, sondern in einem Raum, in dem sie stehen bleiben können. Prüfen Sie den Zustand, solange die Verpackung noch da ist, und vergleichen Sie mit Ihren Aufnahmen. Bei Holz und Instrumenten gilt zudem: erst akklimatisieren lassen, dann endgültig platzieren, und nicht direkt an Heizkörper oder in die Sonne stellen.
Von der Wand und wieder an die Wand
Ein Teil des Risikos entsteht gar nicht beim Transport, sondern beim Abnehmen und beim Aufhängen. Schwere Rahmen und große Spiegel werden zu zweit abgenommen, nie allein, und sie werden sofort abgesetzt und gesichert, statt irgendwo angelehnt zu werden. Ein an die Wand gelehnter Spiegel ist eine Stolperfalle und ein Schaden, der auf seinen Anlass wartet.
Notieren oder fotografieren Sie beim Abnehmen die Aufhängung: Welcher Haken, welche Öse, welche Drahtführung. Diese Information brauchen Sie am Zielort wieder, und sie ist in dem Moment verschwunden, in dem das Bild von der Wand ist.
Am neuen Ort entscheidet die Wand. Ein schwerer Rahmen braucht eine Befestigung, die zum Untergrund passt, und Untergründe unterscheiden sich erheblich: massives Mauerwerk, Beton, Leichtbauwand, Altbaudecke. Wer eine schwere Arbeit an einer Leichtbauwand mit einer ungeeigneten Befestigung aufhängt, findet sie irgendwann auf dem Boden. Klären Sie im Zweifel vorher, welcher Untergrund vorliegt, und lassen Sie schwere Stücke fachgerecht befestigen.
Fazit
Empfindliches Gut braucht drei Dinge: die richtige Verpackung, den aufrechten Transport bei flachen Stücken und eine Dokumentation des Zustands vorher. Melden Sie diese Stücke ausdrücklich an, lassen Sie im Zweifel verpacken, und prüfen Sie beim Auspacken gegen Ihre Fotos. Das ist wenig Aufwand für Dinge, die sich nicht ersetzen lassen.