Umzug mit Haustieren: Ruhe ist wichtiger als Tempo
Für Haustiere ist ein Umzug schwer verständlich. Sie erleben, dass ihr Revier abgebaut wird, dass fremde Menschen die Wohnung betreten, dass Türen offen stehen und dass sich Gerüche und Geräusche verändern. Die Folge ist Stress, und gestresste Tiere reagieren unvorhersehbar: Sie verstecken sich, sie laufen weg, sie werden anhänglich oder aggressiv. Der Umzug mit Tieren ist deshalb weniger eine Transport- als eine Stressfrage.
Am Umzugstag: Trennung vom Geschehen
Die Grundregel lautet: Das Tier ist an dem Tag nicht dort, wo gearbeitet wird. Die beste Lösung ist die Unterbringung bei vertrauten Menschen oder in einer gewohnten Betreuung, und zwar für den ganzen Tag. Damit ist gleichzeitig das größte Risiko ausgeschaltet, nämlich die offene Haustür.
Wenn eine auswärtige Betreuung nicht möglich ist, richten Sie einen Raum ein, der bis zuletzt geschlossen bleibt: mit Wasser, Katzenklo oder Decke, mit einem deutlichen Hinweis an der Tür, dass hier ein Tier ist und die Tür geschlossen bleiben muss. Sagen Sie es dem Team zusätzlich mündlich beim Rundgang. Ein Zettel wird übersehen, ein Satz beim Rundgang nicht.
Der Transport
Tiere fahren bei Ihnen im Pkw, nicht im Umzugsfahrzeug. Ein Laderaum ist weder klimatisiert noch erschütterungsarm noch beaufsichtigt, und für ein Tier ist er ein dunkler, lauter, unbekannter Raum. Das ist keine Option, auch nicht für eine kurze Strecke.
- Transportbox, an die das Tier möglichst schon gewöhnt ist
- vertraute Decke mit bekanntem Geruch hinein
- gesichert im Fahrzeug, nicht frei
- bei längeren Fahrten Pausen einplanen, Wasser anbieten
- nicht in der prallen Sonne oder im aufgeheizten Fahrzeug abstellen
Wer weiß, dass sein Tier schlecht Auto fährt, sollte das rechtzeitig mit der Tierärztin oder dem Tierarzt besprechen und nicht erst am Vorabend. Das gilt besonders für ältere oder kranke Tiere und für längere Strecken.
Ankommen am neuen Ort
Am Zielort gilt dieselbe Logik in umgekehrter Richtung: erst ein Raum, dann die Wohnung. Richten Sie einen Rückzugsraum ein, in dem die vertrauten Dinge stehen, Decke, Napf, Katzenklo, Kratzbaum, Körbchen, und lassen Sie das Tier dort ankommen, während der Rest der Wohnung noch Baustelle ist. Erst wenn Ruhe eingekehrt ist, öffnen Sie die Wohnung schrittweise.
Bei Katzen ist besondere Vorsicht geboten. Freigänger bleiben nach einem Umzug zunächst im Haus, bis sie das neue Zuhause als ihres angenommen haben. Wie lange das dauert, ist von Tier zu Tier verschieden, und der Rat der Tierärztin oder des Tierarztes ist hier wertvoller als jede pauschale Regel. Eine Katze, die zu früh nach draußen darf, sucht ihr altes Revier.
Was sonst zu bedenken ist
Prüfen Sie vor dem Umzug die neue Wohnung aus Tiersicht: offene Fenster, Balkone, Kippfenster, Treppenhäuser, giftige Pflanzen, ungesicherte Kabel. Der Kippfensterspalt ist ein bekanntes Risiko für Katzen und wird beim Einzug regelmäßig übersehen, weil man gerade an anderes denkt.
Denken Sie außerdem an die Unterlagen und die Kennzeichnung: Impfunterlagen zusammen mit den eigenen wichtigen Papieren mitnehmen und die hinterlegten Kontaktdaten bei den entsprechenden Registern und Stellen aktualisieren, sobald die neue Adresse gilt. Ein entlaufenes Tier wird über diese Daten gefunden, und veraltete Daten helfen niemandem.
Kleintiere, Vögel und Reptilien
Hunde und Katzen prägen die Vorstellung vom Umzug mit Tieren, aber sie sind nicht die empfindlichsten Mitbewohner. Kleintiere, Vögel und Reptilien reagieren teils stärker auf Stress, Temperaturwechsel und Erschütterung, und sie zeigen es weniger deutlich.
Für alle gilt derselbe Grundsatz: möglichst wenig Veränderung auf einmal. Das Tier reist in einem geeigneten, gesicherten und abgedunkelten Behälter mit vertrauter Einstreu oder Einrichtung, es reist bei Ihnen im Fahrzeug, und es kommt am Zielort in eine Umgebung, die möglichst genauso aussieht wie vorher. Wer die Gelegenheit nutzen will, den Käfig oder das Terrarium neu einzurichten, sollte damit warten, bis sich das Tier eingelebt hat.
Besonders zu beachten ist die Temperatur. Reptilien und viele Vögel sind auf enge Temperaturbereiche angewiesen, und ein Fahrzeug im Sommer oder im Winter ist kein geeigneter Ort zum Abstellen, auch nicht kurz. Bei Arten mit besonderen Anforderungen, bei kranken oder trächtigen Tieren und bei längeren Strecken sollten Sie das Vorgehen vorher tierärztlich besprechen.
Fazit
Tiere brauchen beim Umzug nicht Tempo, sondern Ruhe: Betreuung außer Haus oder ein geschlossener Raum am Umzugstag, Transport im eigenen Fahrzeug, ein Rückzugsraum mit vertrauten Dingen am Zielort und Geduld danach. Und sagen Sie dem Team beim Rundgang, dass ein Tier im Haus ist. Dieser eine Satz verhindert die meisten Zwischenfälle.