Die alte Wohnung übergeben: Worauf es bei der Abnahme ankommt
Der Umzug endet nicht mit dem letzten Karton, sondern mit der Übergabe der alten Wohnung. Dieser Termin wird häufig unterschätzt, obwohl an ihm einiges hängt: der geschuldete Zustand der Wohnung, die Abrechnung der Verbrauchswerte und die Frage, ob es später eine Diskussion gibt. Das meiste davon entscheidet sich in einer halben Stunde, und diese halbe Stunde sollten Sie vorbereiten.
Nicht am selben Tag wie der Umzug
Der häufigste Planungsfehler ist, die Übergabe auf den Umzugstag zu legen. Das klingt effizient und geht regelmäßig schief. Am Umzugstag sind Sie erschöpft, unter Zeitdruck und mit dem Team beschäftigt, und wenn beim Umzug etwas hakt, hakt die Übergabe mit. Legen Sie den Termin nach Möglichkeit auf einen anderen Tag, an dem die Wohnung leer ist und Sie einen klaren Kopf haben.
Der Zeitpunkt sollte außerdem tagsüber liegen und bei Tageslicht. In einer leeren Wohnung bei Kunstlicht sieht man Böden und Wände anders als bei Licht von draußen, und beide Seiten haben ein Interesse daran, dass der Zustand richtig erfasst wird.
Vorher klären: Was ist geschuldet
Was Sie beim Auszug tatsächlich herstellen müssen, ergibt sich aus Ihrem Vertrag und aus der Rechtslage, und das ist der Punkt, an dem am meisten falsch erinnert wird. Verbreitete Annahmen über Renovierungspflichten stimmen häufig nicht mit dem überein, was im konkreten Fall gilt. Lesen Sie deshalb Ihren Vertrag, und holen Sie sich im Zweifel Rat bei einer Beratungsstelle oder rechtlich, bevor Sie streichen. Es kommt vor, dass Menschen Arbeiten ausführen, die sie gar nicht schulden.
Umgekehrt gilt: Was Sie schulden, sollte erledigt sein, bevor der Termin stattfindet, nicht während.
Das Protokoll ist das Dokument
Bei der Übergabe wird ein Protokoll erstellt. Es hält den Zustand fest und bildet die Grundlage für alles Weitere. Achten Sie darauf, dass es vollständig ist und dass Sie es verstehen, bevor Sie unterschreiben.
- Zustand jedes Raums, sachlich beschrieben
- vorhandene Mängel und Gebrauchsspuren, auch die, die schon beim Einzug da waren
- Zählerstände für alle Medien, mit Zählernummer
- Zahl und Art aller übergebenen Schlüssel, einschließlich Keller, Briefkasten, Haustür, Garage
- Datum, Uhrzeit, Unterschrift beider Seiten
Unterschreiben Sie nichts, was Sie nicht gelesen haben, und unterschreiben Sie keine Pauschalformulierungen, die Ihnen unklar sind. Wenn Sie mit einem Punkt nicht einverstanden sind, lassen Sie ihn ausdrücklich als strittig vermerken, statt gar nicht zu unterschreiben. Und nehmen Sie eine Kopie mit.
Zählerstände, Schlüssel und eigene Aufnahmen
Zählerstände sind die Grundlage der Abrechnung, und sie sind der Punkt, an dem sich Fehler am leichtesten vermeiden lassen. Fotografieren Sie jeden Zähler so, dass Zählernummer und Stand auf demselben Bild lesbar sind, und lassen Sie die Stände zusätzlich ins Protokoll eintragen. Das kostet Minuten und erspart Rückfragen.
Bei den Schlüsseln zählt Vollständigkeit: alle Schlüssel, auch nachgemachte, auch die beim Nachbarn. Lassen Sie sich die Anzahl im Protokoll bestätigen. Ein fehlender Schlüssel ist der Klassiker, der später aufschlägt.
Bevor Sie übergeben, fotografieren Sie jeden Raum im leeren Zustand, bei gutem Licht, mit Details von Böden, Wänden, Fenstern und Bad. Diese Aufnahmen sind Ihr Gegenstück zum Protokoll: Sie zeigen, wie die Wohnung war, als Sie sie verlassen haben. Bewahren Sie sie zusammen mit dem Protokoll auf.
Wenn Sie ein Protokoll vom Einzug haben, nehmen Sie es zum Termin mit. Vorschäden, die dort vermerkt sind, sind Vorschäden, und der beste Weg, das zu zeigen, ist das alte Papier.
Wenn der Termin nicht wie geplant läuft
Es kommt vor, dass die Übergabe nicht stattfindet: Der Termin platzt, die andere Seite erscheint nicht, oder die Übergabe wird verweigert, weil über den Zustand gestritten wird. Auch dafür gibt es ein sinnvolles Vorgehen, und es besteht nicht darin, den Schlüssel einfach in den Briefkasten zu werfen.
Der Schlüssel ist der Punkt, an dem Sie die Kontrolle abgeben. Solange Sie ihn haben, haben Sie Zugang, und Sie tragen zugleich weiter die Verantwortung für die Wohnung. Eine Übergabe ohne Nachweis ist deshalb keine gute Idee: Wer nicht belegen kann, wann er welche Schlüssel übergeben hat, steht bei jeder späteren Diskussion schlecht da.
Nehmen Sie zu einem Termin, von dem Sie erwarten, dass er schwierig wird, eine neutrale Person mit. Sie sieht, was Sie sehen, und kann bestätigen, was besprochen wurde. Dokumentieren Sie den Zustand unabhängig davon mit Fotos, halten Sie Ihre Sicht schriftlich fest, und suchen Sie bei ernsthaftem Streit rechtlichen Rat, bevor Sie etwas unterschreiben oder etwas herausgeben.
Fazit
Die Übergabe ist ein eigener Termin und verdient einen eigenen Tag. Klären Sie vorher, was Sie tatsächlich schulden, dokumentieren Sie die leere Wohnung, lassen Sie Zählerstände und Schlüsselzahl ins Protokoll eintragen, und unterschreiben Sie nur, was Sie gelesen haben. Damit ist der Umzug wirklich abgeschlossen und nicht nur der Transport.